Am Asitz in Leogang: Kunst erleben am 24. und 25. Juli 2010

Donnerstag, Juli 22nd 2010

Kunst erleben in der freien Natur am 24. und 25. Juli 2010

Wann? Samstag, 24. und Sonntag, 25. Juli 2010
Wo? Großer Asitz (1.914m) Leogang im Pinzgau

Die Geheimnisse des Waldes

Der Wald als Bühne. Ein Berg als Schauspielhaus. Auf dem Großen Asitz in Leogang ist ein unkonventionelles Kunst-Stück zu sehen.

Fantastische Figuren, Fabelwesen – halb Tier, halb Mensch – sind die Hauptdarsteller des Stücks

Leogang: Stille. Nur das Pfauchen eines Düsenjets am Abendhimmel ist zu hören. Dann wieder Stille. Sie verunsichert. Denn nichts regt sich.

Minuten vergehen. Nur langsam werden im Unterholz des Wäldchens auf dem Großen Asitz bei Leogang die Akteure des Spiels sichtbar. Verkleidet, als Fabelwesen, bewegen sich diese Zwittergestalten, halb Mensch, halb Tier, über die Lichtung des Wäldchens.

Kommen aus dem Unterholz. Stehen an der Kante der Senke, verschwinden am Horizont oder kriechen langsam vom Baum. So, als erwache das Baummoos zum Leben. Die Wesen geben Urlaute von sich. Klagend. Lockend. Ihre Bewegungen sind provokant langsam. Gesten nur. Meditative Töne, gespielt auf einer slowenischen Hirtenflöte, setzen immer wieder akustische Fixpunkte, halten so den Strang der Spannung aufrecht.

Es gibt keine Handlung. Keinen vordergründigen Dialog. Als „Running Gag“ taucht immer wieder ein Mensch auf. Ein Tourist. Der stolpert erst mit einem Plastiksack in der Hand durch den Wald, schleppt dann eine Sonnenliege, später auch noch Ski mit sich. Er fühlt nicht, dass der Wald voller Fabelwesen ist. Dass ihn geheimes, stilles Leben umgibt.

Die Zuschauer sitzen auf kleinen Isomatten im Moosbeergestrüpp. Sie staunen, schmunzeln, verstehen, versuchen zu verstehen, oder schütteln missbilligend den Kopf.

Am Ende des Stücks erzählt ein Schauspieler die Geschichte seines Urgroßvaters, wirft damit eine Münze in den Brunnen der Erinnerung jedes einzelnen Zuhörers.

Es ist die fünfte Produktion der Künstlergruppe „ortszeit“, die in Leogang zu sehen ist. Unter der Leitung von Ursula Reisenberger wird heuer das Stück „Im Wald“ gezeigt.

Reisenberger führt die Zuschauer vom Sammelpunkt vor der Alten Mühle auf dem Asitz zum Ort der Handlung. Auf eine Lichtung, keine 500 Meter entfernt von der Hütte. Von dort bringt sie das Publikum in charmanter, leuchtend erhabener Art auch wieder zurück in das touristische Berghaus.

Hinauf in die Nähe des Gipfels und zur nicht existenten Bühne in freier Natur geht es mittels Seilbahn. Zurück ins Tal ebenfalls. Dann aber schon bei Dunkelheit. Angestrahlt vom Flutlicht der Seilbahnstation.

Wer in den Wald will, um „Im Wald“ zu sehen, muss erst durch touristisch extrem genütztes Gelände. Vorbei am Parcours der Bike World, über Pisten, die zwar grün sind, denen aber jede Form von Almflora fehlt, und die von den Rädern der Mountainbikes zerfurcht sind. Der Wald, der für all das weichen musste, sichert so über seine Tage hinaus die wirtschaftliche Existenz des Ortes. Doch mit dem Wald verschwanden auch seine Geheimnisse. „ortszeit“ schlägt eine Brücke dazu. Noch gibt es ja ersatzweise viele Wälder, in denen Platz für Fabelwesen und die Fantasie ist, und die stets aufs Neue die Seele berühren.

Termine: 24. und 25. Juli, jeweils 19 Uhr; alle Informationen unter www.ortszeit.at

Anfahrtsskizze vom Amadehotel zur Talstation der Leoganger Bergbahnen.

amadehotel Geschrieben von amadehotel

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